Ob für die gelegentliche Aufnahme daheim oder für professionelle Arbeit mit Musik und entsprechender Software – ein MIDI-Controller erleichtert das Leben des Studiomusikers ungemein. Da ich selbst Musik aufnehme und die ständige Arbeit mit Maus und Tastatur, als auch mit den üblichen MIDI-Editoren nach längerer Zeit ziemlich auf die Nerven geht, war es durchaus mal an der Zeit, etwas zu testen, was mir zumindest einen Teil der lästigen Arbeit abnimmt. Das Ziel bei der dieser Überlegung folgenden Recherche war also, einen ordentlichen MIDI-Controller im erschwinglichen Preisbereich zu finden. Keyboard-ähnliche Produkte waren dabei weniger interessant für mich, da ich schon über ein MIDI-fähiges Keyboard verfüge – also her mit allem, was irgendwelche Pads hat! Gesucht, verglichen gefunden: Das Modell padKONTROL der Firma KORG. Warum? Zugegeben: Das Gerät ist nicht mehr das jüngste. Es wird seit 2005 produziert. Aber es wird auch heute noch häufig verkauft, benutzt und gut bewertet, was ja irgendwie zeigt, dass es auch 2013 nicht so verkehrt sein kann. Zudem zeigen Testberichte verschiedener Produkte, dass KORG normalerweise nicht an der Qualität spart. Das muss ich testen! Wir haben also bei KORG angefragt, ob wir ein Gerät zu Testzwecken bereitgestellt bekommen. Und unser Wunsch wurde auf Leihbasis bewilligt. Der Kaufpreis liegt übrigens an der Grenze zwischen der unteren und mittleren Preisklasse dieser Geräte (237€ UVP des Herstellers, aber schon weit unter 200€ in Online-Versandhäusern zu bekommen).

Korg padKontrol

Nach ein paar Tagen kam das Päckchen an und der erste Programmpunkt des Tests konnte absolviert werden: Auspacken! Was ist drin? Wie ist der erste Eindruck?
Optisch ist das padKONTROL kein Highlight, aber das schlichte, zeitlose Design weiß durchaus zu gefallen und passt sich gut an sein Umfeld an. Es ist unerwartet leicht, schwarz eingefärbt mit weißen Pads und Knöpfen, alternativ aber auch in silber erhältlich. Im Paket enthalten sind dazu noch die mehrsprachige Bedienungsanleitung, die nötige Software und ein USB-Kabel. Kurz gesagt alles was man braucht. Nicht mehr und nicht weniger. Allerdings wird – wie bei den meisten Geräten dieser Art – kein MIDI-Kabel mitgeliefert. Um sofort loslegen zu können, sollte man also sichergehen, dass man ein passendes MIDI-Kabel – in der Regel male/male – besitzt.

So weit so gut. Zeit das Ding zum Laufen zu bringen. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich dabei an die Bedienungsanleitung halten, welche ausführlich genug ist, um die meisten Hindernisse zu bewältigen. Hat man schon ein wenig Ahnung von solchen Gerätschaften, sollte der Anschluss aber auch intuitiv möglich sein. So kompliziert ist es schließlich nicht: Software-CD rein, Treiber installieren, ggf. PC neu starten, MIDI-Kabel und USB-Kabel anschließen. Fertig…fürs Erste! Die Stromversorgung läuft hier über USB, es besteht aber auch die Möglichkeit, das Gerät mithilfe eines Netzteils (nicht im Lieferumfang) PC-unabhängig zu betreiben. Nachdem ich diese Schritte absolviert hatte, wollte ich natürlich wissen, ob auch alles funktioniert. Zum Testen habe ich also Cubase 6 gestartet und mich zunächst an den Pads probiert.

Ein kleiner Fingerschlag auf ein Pad – ein eingehendes Signal in Cubase! Also ein voller Erfolg. Die Pads geben das Signal inklusive der Anschlagstärke präzise und schnell weiter. Für meinen Geschmack könnten sie aber noch etwas empfindlicher sein (Warum? Bei einer maximalen Anschlagsstärke von 127 war es mir nicht möglich Töne mit einer niedrigeren Anschlagsstärke als 15 zu erzeugen. Bei zu lockeren Schlägen bleibt das Signal somit aus! ABER wer sich neben diesem ein paar weitere Testberichte durchliest, könnte feststellen, dass die Empfindlichkeit des Gerätes zu seinen großen Stärken zählen soll. Ob das Gerät einfach falsch konfiguriert war und ich den richtigen Regler dafür nicht gefunden habe, kann ich nicht ausschließen. Falls jemand genaueres dazu weiß, kann er es gerne über einen Kommentar mitteilen!). Insbesondere beim Schlagzeug macht sich die Anschlagsdynamik im Allgemeinen aber positiv bemerkbar, und auch die meisten Synthesizer profitieren davon. Es hört sich nicht mehr alles so perfekt an, wie es im MIDI-Editor geschrieben werden könnte. Die Drums sind nicht immer exakt im Takt. Aber genau das macht in manchen Fällen den Reiz aus. Es hört sich nicht mehr an, als wäre  es vom Computer erzeugt. Kleine Ungenauigkeiten erzeugen erst das echte „Human Feeling“. Alle Fehler lassen sich aber natürlich im Nachhinein mit einem MIDI-Editor verbessern und beheben (Bsp.: Rockmusik sollte sich anhören, wie im Studio live eingespielt. Daher sollten die MIDI-Drums nicht zu perfekt sein. Für elektronische Musik gilt hingegen eher das Gegenteil.). Sollte es gewünscht sein, kann für einzelne oder alle Pads auch eine feste Anschlagsstärke eingestellt werden. Zudem kann man zwischen verschiedenen Dynamikkurven wählen, welche das Verhalten der Pads bezgl. der Härte des Schlags verändern (Bsp.: Der gleiche Schlag entspricht in der einen Kurve einer Anschlagsstärke von 64, in der anderen aber nur einer Anschlagstärke von 32.). Im Test habe ich allerdings die standardmäßig eingestellte lineare „Kurve“ verwendet. Wer will, kann dem padKONTROL zudem verschiedene Lichteffekte entlocken, bei denen die Pads je nach Einstellung in unterschiedlichen Mustern rot blinken und leuchten.Korg padKontrol

 

Anzumerken ist, dass es leider keine normierten Tonhöhenbezeichnungen im Bereich der Hersteller von MIDI-Software und -Sequenzern gibt. Dadurch kann der auf dem padKONTROL gedrückte Ton durch die genutzte Software oktaviert sein. (z.B. Das c1 auf dem padKONTROL wird zum c2 in Cubase). Diese kleine Unstimmigkeit lässt sich meistens durch ein sogenanntes „Mapping“ in der Software beheben.

Alle Konfigurationen lassen sich am Gerät selbst einstellen. Wer es etwas einfacher haben möchte, sollte dafür aber die im Paket enthaltene Software nutzen. Hier macht sich allerdings das Alter des Gerätes etwas bemerkbar. Unter Windows 7 (64 Bit) geht da nämlich erst einmal gar nichts. Die Software kann keine Verbindung zum Gerät herstellen und somit weder die gewünschte Konfiguration senden, noch die aktuelle Konfiguration empfangen. Das Problem ist durchaus bekannt und natürlich auch lösbar. Voraussetzung zur Lösung ist das Herunterladen und Installieren der extra Windows 7-Treiber von der KORG Website. Nun müssen noch ein paar Einstellungen in der Software getroffen werden (welche ich bei Bedarf in den Kommentaren ergänzen kann) und es sollte funktionieren.

Ein besonderes Highlight, bei dem man sich zunächst fragt „Was ist das überhaupt?“, ist das X-Y-Pad. Dieses kann man sich wie ein zweidimensionales Koordinatensystem vorstellen. X- und Y-Achse können zum Beispiel mit Effekten belegt werden. Gesteuert wird es per Finger-auflegen und -ziehen. So lässt sich die Stärke des Effektes beeinflussen. Minimal- und Maximalwert sind konfigurierbar und bei Bedarf speichert das padKONTROL die letzte Fingerposition.
Dazu ein kleines Beispiel: Ein Synthesizer wird mit dem padKONTROL bedient. Die X-Achse ist mit einem Hall-Effekt belegt, die Y-Achse bestimmt die Lautstärke. Legt man den Finger in die untere linke Ecke, ist der resultierende Ton ohne Hall und leise. Oben rechts hat der Ton hingegen den vollen Hall und die volle Lautstärke.
Beim Spielen von Drums sind dagegen der ROLL-Effekt (Trommelwirbel) und der FLAM-Effekt (Doppelschlag) – beide im Gerät integriert – äußerst nützlich und in der Geschwindigkeit über das X-Y-Pad regulierbar.

Leider hatte ich nicht genug Zeit, um alle Funktionen des padKONTROL zu testen. Zum Beispiel die Nutzung als MIDI-Controller für bestimmte Funktionen (z.B. Transportfunktionen wie RECORD, PLAY, PAUSE, usw.) hat leider nicht in den zeitlichen Rahmen gepasst.

Fazit: Das padKONTROL ist für das Heimstudio ein toller Schlagzeug-Ersatz und kann auch beim Spielen anderer Synthesizer als Effekt-Controller nützliche Dienste leisten. Das Gerät ist gut verarbeitet, hat ein ansprechendes Design und eine große Bandbreite an Funktionen und Einsatzmöglichkeiten. An dem Produkt sind nur Kleinigkeiten zu bemängeln. Eine kleine Anleitung, wie das Gerät und die Software unter Windows7 korrekt eingerichtet werden, wäre recht hilfreich, und die Sensibilität dürfte noch etwas höher sein. Alles in allem sind das aber wirklich nur Kleinigkeiten, mit denen man sich recht schnell zurechtfindet und daher gut zu verkraften sind. Mit dem KORG padKONTROL kann man also wirklich nicht viel verkehrt machen. Gute Qualität zu einem angemessenen Preis. Mehr kann man nicht erwarten!

Weitere Infos gibt es natürlich auf der Seite des deutschen KORG-Vertriebs KORG & MORE: KORG padKONTROL – alle Infos auf der offiziellen Webseite 

[via korg.de]